Radtour am Amazonas
3000 km entlang der Transamazônica
"Saude"
prosten mir zum tausendsten Mal an diesem Tag die beiden Lasterfahrer zu. Seit Stunden sitzen wir hier in dieser schäbigen Bar an der Transamazônica fest. Der strömende Regen macht ein Weiterkommen schier unmöglich. Seit den frühen Morgenstunden schüttet es wie aus Kübeln, und die Piste besteht nur noch aus unpassierbarem Matsch und Schlamm. Dabei bin ich noch heilfroh, es bis hierher geschafft zu haben. Eineinhalb Stunden habe ich gebraucht, um mein lehmverschmiertes Fahrrad die letzten drei Kilometer bis hierher zu zerren. Zwei Lkws und ein Pick-up waren schon vor mir hier; auch für sie gab es kein Entkommen vor der tropischen Schlechtwetterfront. Zusammen vertreiben wir uns die Zeit so gut es geht, der Wirt freut sich über so viel unerwarteten Umsatz.Begonnen hatte alles vor ein paar Wochen in Belém, an der Mündung des Amazonas in den Atlantik. Bis nach Bolivien wollte ich die Transamazônica mit dem Fahrrad bezwingen, aber jetzt scheint mir tagelanges Regenwetter einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Die Transamazônica ist ein Überbleibsel des großangelegten "Land ohne Leute für Leute ohne Land"-Programms der brasilianischen Militärdiktaturen in den 70ern. Von den einst hochgesteckten Zielen ist wenig geblieben, heute ist die Transamazônica eine teils verlassene, zur Regenzeit völlig unpassierbare Schneise durch den Dschungel. Dort wo sich die „Zivilisation“ festsetzen konnte hat der Wald zurückweichen müssen, was selbst auf Satellitenbildern deutlich zu erkennen ist.
Die im Folgenden beschriebene Radtour wurde im Oktober und November 1999 durchgeführt, 3.000 km von Belém am Atlantik bis Rio Branco im Dreiländereck Brasilien-Bolivien-Peru. Eigentlich hatte ich ja nicht vor, meine Urlaubserlebnisse im WWW zu veröffentlichen, aber nachdem mich mehrere Freunde von der
Touring@phred.org Mailing List um E-Mail-Berichte gebeten haben, habe ich mich halt doch breitschlagen lassen. Die folgenden Texte wurden in ihrer Originalversion während der Tour erfasst und an ebendiese Mailingliste geschickt.<-- weiter mit Teil 1